… seit die letzten Infos hier auftauchten.

Es konnte und kann als gutes Zeichen gewertet werden. Wenn nicht hier, wo sonst soll ich sein, frage ich mich manchmal. Und finde keine Antwort. Wenn Stimmung und Zufriedenheit doch hin und wieder Schwung holen im Tal, frage ich mich, was ich vermisse, was mir fehlt. Es ist meine Muttersprache um mich herum und es sind bestimmte Menschen. Ersteres kann ich hier nicht haben. So verbirgt sich vor mir vieles, was nicht mir bestimmt ist und um das nicht zu wissen mir das Hier mehr meins sein lässt. Aber zweiteres an einem Ort zu haben ist überall nur Wunsch. Sonst ist Traum weitgehend Möglichkeit und Realität um mich in diesem Land, in dieser Stadt, für mich.

tbc.

blütenwirbel

2009/08/06

atmen, sehen, spüren, schmecken, greifen

die tage werden kürzer

meistens ist der himmel blau

die katzen üben jagen

Orapera

Orapera II

Orapera III

Jaanipäevatuli

schneesturm

2009/03/26

geduld, geduld, geduld

die tage werden länger

manchmal sogar ist der himmel blau

 

die tauben haben junge

 

Tallinnas

Ganz im Südosten des Landes liegt Värska. Ein kleiner Ort, der größte doch in der ganzen Gegend. Er ist das Zentrum von Setomaa, einem alten Königreich. Es liegt heute halb in Estland, halb in Russland um den Peipsisee. Die Straßen sind gebaut, als es die Grenze noch nicht gab. Alle Straßen führen nach Russland. Hier ist es wahr. Der große Bär scheint klein Värska zu umarmen. 

Für mich als Menschlein ohne Recht, das Revier des großen Bären zu betreten, ist es gut. Solange ich brav im Auto bleibe und nicht anhalte, darf ich über seinen kleinen Zehen springen und minutenlang durch’s offene Autofenster Russlandwinterluft in meine Lungen saugen. 

kurz vor der Grenze

Russland

videovalve

2009/03/02

hotell

Kalevi

Pärna

Riia

Pikk

Aida*

*wo ist das auto?

türen

2009/02/26

öffnen sich und öffnen sich und öffnen sich. es ist unglaublich. gestern bin ich zur kunsthochschule, um herauszufinden, ob ich irgendwie an einem kurs teilnehmen kann (meine finger lechzen nach anderer beschäftigung als tippen), möglichst unverbindlich, da mein programm schon recht gut gefüllt ist. bekommen habe ich dort eine liste mit namen, zeiten und orten. heute früh bin ich dann los zur ersten möglichkeit

… und schwups … bin ich in einem porträt-skulpturkurs und fange an, einen kopf zu modellieren. das modell (zufall?!) kenne ich schon. auch er war bei der wanderung letzten herbst dabei. gleich im anschluss bekomme ich eine chipkarte, die mir zugang zum gelände und zu den skulpturwerkstätten verschafft. womöglich bekomme ich neben spaß, menschen, modell, werkstatt, material … auch noch credit points dafür. 

(man kann praktisch alles machen dort. wenn ich noch ein semester dranhinge … metall, textil, keramik, holz)

schluss. ich fang an zu träumen.

ohne Worte

2009/02/25

neuerkrawattenknoten

von: http://img3.imagebanana.com/img/meowq9mz/neuerKrawattenknoten.jpg

schnee

2009/02/25

 

… ist faszinierend! er erhellt mein gemüt, gleicht aus, ist immer wieder anders und neu. 

manchmal fallen perfekte schneeflocken einfach so vom himmel und bleiben dann liegen. auf meinem balkon liegen tausende dieser art. meine augen sind gar nicht fähig, sie zu fassen oder zu begreifen. jede ist eigen. jede ist und wird verschwinden. alle zusammen sind alles und weiß. 

eis umarmt bäume, häuser, rohre. formt arme. ist mal wehrhaft, mal zart, mal polster. es fängt licht, greift es, ändert es. licht am morgen und am abend leuchtet. es macht alles über- oder unwirklich – je nach stimmung. 

eisfinger

rohr

emaj6gi spaziergang

wie mobile scherenschnitte sind vogelschwärme auf schwarzen bäumen vor wechselfarbigem grund. sie selbst erzeugen die tönende kulisse des werks. hinterlassen tun sie schwarze löcher im schnee, klein, voller leben.

unabhängigkeitstag_01

schwarm

schnee hält schatten fest und lässt ihn nur langsam wandeln oder entrinnen. erst ist er scharf, dann verschwimmt und verschwindet er. ruß dagegen anders. erst verdichtet er sich. dann wird er verdeckt. lagen aus schwarz, grau und weiß.

tisch schatten

unprätentiös ist so ein sperriges wort und doch richtig für dieses phänomen.

 

irgendwie verstehe ich fräulein smilla.

bleibst du jetzt eigentlich in deiner wohnung?

ja. denn inzwischen fühle ich mich hier ganz wohl. im prinzip wohne ich alleine in dieser 5-zimmer-wohnung. marii ist nur selten da und sehr sympathisch und umgänglich, wenn sie denn hier ist. und alleine hier zu sein tut gut in all dem neuen. hier muss ich mich nicht unterhalten, kann meinen kram machen und entpannen, kochen, träumen wie es mir beliebt. einsam bin ich deswegen nicht – eher ausgeglichener.

anfangs war mir die wohnung so unsympathisch, da ich mir etwas anderes erträumt hatte. ich wollte eine wohnung mit atmosphäre, mit menschen zum lachen und reden. komfort, den ich hier durchaus habe, war mir dabei nicht so wichtig. der traum ist nach wie vor da. so werde ich mich ganz gemütlich umsehen & so mir eine wunderbare wg über den weg läuft, die chance am schopfe packen und dort hinziehen. aber nichts überstürzen. wer weiß, was sich mir in nächster zeit noch so alles offenbahrt.

sind die esten wirklich so technikvernarrt?

ja, sind sie. trotzdem funktioniert bei mir in der wohnung das internet ständig nicht.

hat deine uni schon angefangen?

auch hier ein ja. es ging gleich am 5.2. mit den einführungstagen für alle austauschstudenten los. am folgenden montag begannen die vorlesungen, wenn auch die meisten meiner kurse erst eine woche später losgingen.

was studierst du denn dann jetzt?

mein nebenfach umweltprojektstudium studiere ich. was das beinhaltet, habe ich mir selbst zusammengebastelt. im großen und ganzen geht es um nachhaltigen nahrungsmittelkonsum in estland und die örtlichen rahmenbedingungen dafür.

& jetzt kommt, was sich hinter diesem fürchterlichen begriff verbirgt. ich möchte viel darüber lernen, welche landwirtschaftlichen und ökonomischen entwicklungen hier vor sich gehen, welche impulse von europa kommen, welche aus tallinn, welche auf regionaler ebene. ich möchte herausfinden, wie die landwirtschaft hier organisiert ist und welche dynamik herrscht. ich will etwas mehr verstehen, wie konsumenten sich verhalten und warum. ich möchte die lebensmöglichkeiten in deutschland und estland vergleichen. 

konkret besteht mein studium also aus folgenden bestandteilen:

… projekt 

arbeit in dem projekt rohline24.ee, das 1) ein netzwerk schaffen will zwischen produzenten, importeuren, vertreibern und konsumenten von ökologischen produkten 2) informationen über lebensmittel einfach verfügbar machen will 3) die indentifizierung von ökologischen produkten erleichtern möchte 4) eben diese bewerben und ihren marktanteil vergrößern will. meine erste aufgabe dort ist preis- und angebotsrecherche.

… unistudium 

international consumer behaviour, um werbestrategien besser einordnen zu können
nordic and baltic regions: economics and politics für das wissen um die rahmenbedingungen. darin enthalten ist auch ein projektarbeit mit esten zu depressiven estnischen orten, um eine art entwicklungsplan für ein solches aufzustellen
nature and habitat types of estonia, um konkreter zu wissen, über welches land ich die ganze zeit rede
estnisch, mit noch ungebrochenem optimismus, irgendwann ein gespräch in dieser sprache führen zu können
semiotik, aus reinem interesse und weil zeichen und sprache doch auch etwas mit menschlicher sicht auf die natur und dem umgang mit mit zu tun hat.
durch die bunte mischung lerne ich einen großteil der unigebäude kennen. jeder kurs findet in einem anderen statt.

… also

die pläne mit dem umweltprojektstudium scheinen nicht nur aufzugehen, es macht sogar den anschein, als würde es besser als erwartet. nun muss ich nur lüneburg über die änderungen meiner kurse informieren und dann hoffen, dass sie alles abnicken. 

ist das nicht ganz schön viel?

ja. ich mach 36 cp und halte mich für ein klein wenig wahnsinnig. zumal ich mir jedes semester vornehme, nicht so viele kurse zu belegen und dafür mehr zu lesen etc. naja. soll wohl nicht sein. ich weiß aber auch nicht, was ich noch rausschmeißen sollte. von daher hoffe ich, dass alles wieder irgendwie klappen wird. die abgabetermine hier liegen teilweise noch vor dem offiziellen semesterende in lüneburg, also schon im märz. dafür bin ich dann ende mai fertig mit dem semester hier. & habe frei!

womit verbringst du deine zeit?

zur uni gehe ich recht viel. ich viel darüber geredet, eine hausarbeit zu beenden und habe dies heute endlich getan. ab und an gehe ich tanzen oder kaffee trinken oder rede mit menschen. organisatorisches hat recht viel zeit gefressen, ist aber zum großteil erledigt. die offizielle anmeldung und ein fahrrad fehlen noch.

und sonst so???

sonst geht es mir ausgezeichnet. ich fühle mich wohl mit stadt und menschen. 

… ort

ich kann mir gerade keinen ort vorstellen, an dem ich lieber wäre. hier zu sein hat etwas selbstverständliches. ich fühle mich nicht fremd, (ärgere mich nur bisweilen über meine mangelnde fähigkeit, die menschen zu verstehen), lerne mehr und mehr schleichwege kennen und finde heraus, wo ich was bekomme, finde cafes und tanzmöglichkeiten, die mir zusagen, weiß, welche busse mich nach hause bringen. 

… menschen?

ein paar ganz wunderbare habe ich schon gefunden. sie kommen von hier, aus polen, aus der slowakei, aus italien, aus schweden. 

sie nehmen mir nicht krumm, dass ich schweigsam und partymuffel sein kann und wenn dem nicht so ist habe ich viel spaß mit ihnen. sie lassen sich überreden mitzukommen ins ungewisse. sie alle haben geschichten zu erzählen und gedanken zu teilen und dinge zu zeigen. 

… also

honeymoon phase durch und durch bis auf die dämlichen kopfschmerzen, die sich mir als unerwünschter, ständiger begleiter angeschlossen haben. 

 

ps

so ein paar liebe leute vermisse ich trotz allem.
post ist immer willkommen.
besuch auch.