chai
2010/08/17
chai ist im zentrum der gastfreunschaft und geselligkeit. stark, schwach, mit kräutern oder einfach nur schwarz. serviert in gläsern auf tiefen untertellern. erst werden löffelweise zucker aufgelöst, so man die süße dort haben will, dann wird er in den unterteller gegossen zum abkühlen. entweder er kommt zurück ins glas oder wird direkt von dort getrunken. wahl- und üblicherweise nimmt man zuckerwürfel in den mund und trinkt den tee hindurch. pro glas braucht man 2 bis 4 davon. dazu gibt es schokolade, nüsse, trockenfrüchte oder marmelade. die marmelade hat mit unserer nichts zu tun. die früchte sind ganz, müssen knirschen beim zerkaufen und liegen in sirup. süß ist die marmelade sehr. ich habe sie schätzen gelernt. nimmt man den sirup zum süßen, schmeckt der tee ganz wunderbar.
zu hause hatte ich großen respekt vor tee, immer kreislaufaussetzer auls gefahr im hinterkopf. wenn jedoch eines unmöglich ist in diesem land, so ist es das verweigern von schwarzem tee. und siehe, mein kreislauf hat sich der kultur angepasst (im gegensatz zu meiner haut).
man trinkt ihn immer, unabhängig von ort, zeit und alter. am schnuller wird er säuglingen in den mund gesteckt, kleinkinder bekommen ihn schwach, alle anderen stark, zum frühstück, mittagessen, zwischendurch, vor dem schlafen gehen.
teehäuser sind den männern vorbehalten. als frau aus der fremde kann man sich einschleichen soweit man männliche begleitung hat. in teehäusern sitzen männer jeglichen alters zusammen beim nerd (eine form des backgammon) oder domino spielen und reden. vom morgen bis in die nacht hört man die würfel rollen.
in ganja sind die cayxanas überall. alles, was einmal kultureinrichtung war, ist nun teehaus: die philharmonie, das alte theater. man findet sie am fluss, im wald, mitten in den bergen und in der wüste. ist jemand gestorben, wird zu seinen ehren für 7 tage ein teehaus mitten auf der straße aufgestellt. der verkehr muss ausweichen oder umwege fahren.
ohne tee geht nichts.
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